Dieser Text ist entstanden in einer Phase nachdem lose enden von Erinnerungen, Erfahrungen und Wissen sich über Wochen Feuerwerkartig in meinen Kopf miteinander verknüpften und die Welt leuchtete und energetisch pulsierte wie nie zu vor
In einer Phase in der allmählich integration stattfindet
In der sich das neue einbettet und ruhiger wird, die Fragen und Themen aber noch Laut und präsent sind
Die verregnete Welt
rauscht am Fenster vorbei,
während wir
im warmen Auto sitzen.
Tausende Leben ziehen vorüber.
Geschichten geschehen.
Entscheidungen fallen.
Gefühle werden gefühlt.
Dort wird gestritten.
Gekämpft.
Gestorben.
Geliebt.
Gelacht.
Geboren.
„Einfach bestellen,
wir machen den Rest“,
steht auf einem Truck
am Straßenrand.
Keine Sekunde –
und schon sind wir vorbei.
Einfach bestellen.
Schnell.
Ohne Stress.
Für uns
heißt das Fortschritt.
Aber ist es das?
Kommen wir voran
oder treten wir
nur schneller
auf der Stelle?
Wo wollen wir
überhaupt hin?
Nehmen wir die Wunder um uns herum noch wahr,
wenn wir immer versuchen
voranzukommen,
anzukommen?
Ist die Zeit nicht viel zu kurz,
um ständig woanders sein zu wollen
und den Moment
zu verpassen?
Du bist ein Wunder.
Ein undurchschaubares Wunder.
Du lebst –
wie alle anderen auch –
dein Leben.
Du nimmst wahr.
Du entscheidest.
Ich tue das auch.
Und wir beide
sehen einander
durch unsere Augen.
Dass ich für dich
dein Du bin –
ist absurd.
Und so wahr.
Wir nehmen unser Ich so wichtig
und übersehen dabei,
dass jede von uns
zugleich
Ich
und Du
ist.
Du siehst die Welt.
Und die Welt
will gesehen werden.
Was wäre der Sonnenaufgang,
wenn niemand ihn sähe?
Was wäre die Blume,
das fallende Blatt,
der Frühling,
wenn niemand da wäre,
um ihn zu leben
und zu lieben?
Die Welt
streckt sich dir entgegen.
Still.
Geduldig.
Sie gibt ihr Bestes –
alles, was sie ist –
damit du sie erkennst,
damit du sie
in dein Herz schließt,
sie nährst,
behütest
und schützt.
Und wir?
Wir rasen vorbei.
Mittendurch.
Verpassen das Beste
in der Hoffnung,
irgendwann irgendwo
einen kleinen Krümel
vom Kuchen zu bekommen.
Doch Leben
ist kein Versprechen
für später.
Leben ist nicht nur
mehr.
Nicht nur Wachstum.
Nicht nur ein Ziel
in der Ferne.
Leben ist
im Regen zu stehen
und bis auf die Haut
nass zu werden.
Hinfallen
und sich die Knie
aufzuschlagen.
Im Stau stehen
und plötzlich Zeit haben
zu atmen.
Zu schauen.
Zu akzeptieren.
Leben ist
alles,
was in dieser Sekunde
geschieht.
Und jede Sekunde,
in der wir woanders sein wollen,
zieht vorbei
wie diese verregnete Welt
am Fenster.
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